Internationale Kontakte

Besuch der Vasaramäen koulu Lehmustie 7b FI 202500 Turku

Die in Turku gelegene Vasaramäen koulu (Gemeindeschule, bestehend aus den drei Teilen von Primar- und Sekundarschule sowie Gymnasion) arbeitet, wie unsere Schule, an einer Konzeption für eine temporäre Lerngruppe zwecks besserer Integration von Schüler(inne)n mit besonderem Zuwendungsbedarf vor dem Hintergrund verschiedener Problemlagen.
Die Konzeption, die bedachte Umsetzung und die vorherrschenden Umstände näher kennen zu lernen, kam es im Dezember 2012 vermittels eines Besuches in Turku zu einem ersten Austausch zwischen der dortigen und der Röntgenschule. Dank gilt dem Prizipal der Schule, Jyrki Välimäki, und dem Sekundarschulrektoren, Kari Salminen, für die Begleitung desselben. *
Nach am Bildungsgang in Finnland ausgerichteten Hospitationen und Besuchen eines Kindergartens, einer Vorschule, einer Primar-, zweier Sekundarschulen und eines Gymnasions wurden auch den Bildungsgang begleitende Einrichtungen wie „Willkommensklassen“ (einjährige Pflichtklassen für Kinder und Jugendliche bei Unkenntnis der Finnischen Sprache), Praxisklassen, Sonderklassen für junge Menschen mit besonderem Bedarf (z.B. Autisten, komplex gestörte Kinder und Jugendliche), eine Sonder- und eine  Krankenhausschule sowie der muttersprachliche Unterricht in einer Regelschule besucht.
Freitisch für alle Kinder, die grundlegend freie Teilnahmemöglichkeit an Gruppenangeboten (vom Schulorchester bis hin zu künstlerischen oder handwerklichen Angeboten) und die personelle Ausstattung sind beeindruckende Gegebenheiten des finnischen Bildungssystems.
Auch kam es zu einem aufschlussreichen Gespräch mit der Verantwortlichen für die grundlegende Bildung im Rayon Turku, Outi Rinne, deren Aufgabe darin besteht, die Bedürfnisse der Schulen konzeptionell zu erfassen, zu hinterfragen und in der Politik durchzusetzen. Der Erfahrungsaustausch soll seine Fortsetzung finden.

Aus Turku mitgebrachte Erfahrungen und Informationen:

• grundlegend: die besten und am gründlichsten ausgebildeten Fachkräfte stehen am Beginn  des Schullebens eines jeden Kindes in Finnland; die gemeinsame Grundausbildung (nach einem nationalen Unterrichtsplan) eines jede Kindes/ Jugendlichen geht über 9 Jahre hin (wobei offenbar darauf geachtet wird, daß die Gemeinsamkeit auch wahrgenommen und gelebt werden kann), ein 10tes Schuljahr kann fakultativ absolviert werden, verbessert es die Chancen des/der Abgehenden für eine gewünschte Anschlußausbildung; hernach kommt die Sekundarstufe II, entweder in berufs- oder in allgemeinbildender Hinsicht. Erstere führt i.d.R in Aus- und Fortbildung respektive an Fachhochschulen, letztere an eine Universität oder Hochschule
eine durchdachtes Sonderklassensystem flankiert die Schuldurchgänge (s.o.), die Ausstattung der (besuchten) Schulen ist sowohl in personeller als auch sachmittelgerechter Hinsicht vorbildlich zu nennen
• jedes Kind, jede/r Jugendliche hat das Recht auf kostenlose Schulspeisung und integrative, musikalische oder künstlerische Gruppenausbildung (die Kosten für Einzelunterricht müssen privat aufgebracht werden)
Recht und Pflicht auf Bildungsteilhabe (also: keine Schulpflicht, sondern die Pflicht der Ermöglichung der Bildungsteilhabe) werden in Finnland gesetzlich geschützt
alle (auch die privaten) Bildungseinrichtungen stehen  unter öffentlicher Aufsicht, die Kommunen legen die (i.d.R. weit gehende) Schulautonomie fest; v.a. in der Personalpolitik hat die Schule Mitspracherecht bei den zu wählenden Lehrer/innen im Sinn des Personalstandes und der  jeweiligen -erfordernisse
• von der Kommune Beauftragte kümmern sich um die Schulbelange (auch: um finanzielle Zuwendungen)  nach Gespräch mit und Auftrag der
nach der Aussage des Rektors des Sekundarschulbereiches  fließen 60 - 65 % der Steuereinnahmen in ’s Bildungs- und Gesundheitswesen
• die Belange der Schüler/innen werden wohl stärker im schulischen Kontext abgeklärt (und auch von dort her bestimmt: Entscheidungsmitteilung an die Eltern, kaum Einschaltungen der Eltern oder des Jugendamtes), als das in Deutschland der Fall ist
• für die Primär- und Sekundärausbildung an Schule trägt der Staat 57 %, die jeweilige Kommune 43 % der Kosten
• Lehrer/innen können Unterrichtsmethoden und -material selbst wählen
• ab 2013 muß jede Kommune jedem/jeder Schüler/in einen Ausbildungsplatz bereit stellen
• jeder Studienplatz ist kostenlos für die/den Studierende/n


© Zentralamt für Unterrichtswesen, Helsinki, Finnland
*Die Vorgeschichte des Ganzen:

Rainer Domisch (†VIII.2011) vom Finnischen Bildungsministerium in Helsinki (Kontakt seit IV.2008) besuchte im Jahr 2009 Berlin und die Kurt Löwenstein Oberschule in Neukölln. Nach dem Besuch kommt es zur Absprache miteinander, zunächst die 2010 anstehende Fusion von Real- und Sekundarschule abzuwarten, um dann erneut in einen Erfahrungstausch einzutreten. Der Fusionsprozeß dauert(e) an, zwischenzeitlich starb unser Ansprechpartner in Helsinki. So galt es, neue zu finden, die wir vermittels des Finnland Institutes Berlin (Dank Suvi Wartiovaara und Eeva Turunen IX.2012) fanden. So wurde ein erstes Treffen in Turku im Dezember 2012 (s.o.) möglich.